Auf einen Blick
- Wasserstoffperoxid ist der klassische Bleichwirkstoff. Frei verkäuflich nur bis 0,1 Prozent.
- Carbamidperoxid setzt etwa ein Drittel seiner Menge als Wasserstoffperoxid frei und unterliegt derselben Grenze.
- PAP bleicht ohne Wasserstoffperoxid und darf deshalb frei verkauft werden.
- Die meistzitierte PAP-Studie stammt aus dem Labor eines Herstellers. Unabhängige klinische Langzeitstudien fehlen.
Wasserstoffperoxid
Wasserstoffperoxid (auf Packungen „Hydrogen Peroxide“) dringt durch den Schmelz ins Dentin und oxidiert dort Farbstoffe. Die werden dadurch farblos, ähnlich wie beim Blondieren von Haaren. Es ist der Wirkstoff, mit dem Zahnärzte in der Praxis bleichen, und der am besten untersuchte.
Je höher die Konzentration, desto schneller wirkt es, desto häufiger werden die Zähne aber auch empfindlich. Laut VKI kann der Schmelz vorübergehend an Härte verlieren. In der EU gelten diese Grenzen:
| Gehalt | Abgabe |
|---|---|
| bis 0,1 % | frei verkäuflich |
| über 0,1 bis 6 % | nur an Zahnärzte, erste Anwendung in der Praxis, ab 18 Jahren |
| über 6 % | kein kosmetisches Mittel mehr, nur in der Praxis |
Carbamidperoxid
Carbamidperoxid („Carbamide Peroxide“) ist eine Verbindung aus Harnstoff und Wasserstoffperoxid. Im Mund zerfällt sie langsam und gibt dabei Wasserstoffperoxid ab, etwa ein Drittel ihrer Menge. Weil es langsamer freigesetzt wird, eignet sich Carbamidperoxid für längere Tragezeiten, etwa in der Schiene beim Home-Bleaching vom Zahnarzt.
| Carbamidperoxid | entspricht etwa Wasserstoffperoxid | In der EU |
|---|---|---|
| 0,3 % | 0,1 % | frei verkäuflich |
| 10 % | 3,5 % | nur über die Praxis |
| 16 % | 5,6 % | nur über die Praxis |
| 22 % und mehr | über 7 % | kein Kosmetikum mehr |
Vorsicht bei Online-Angeboten mit „35 % Carbamidperoxid“ oder mehr: Solche Gele sind für Privatleute in der EU nicht vorgesehen. Eine Analyse von online gekauften Gelen zeigte außerdem, dass die Angabe auf dem Etikett oft nicht stimmt. Zwei Gele mit angeblich 44 Prozent enthielten nur knapp 9 Prozent.
PAP
PAP steht für Phthalimidoperoxycapronsäure. Sie oxidiert Farbstoffe ebenfalls, setzt dabei aber kein Wasserstoffperoxid frei. Deshalb greift die 0,1-Prozent-Grenze der Kosmetikverordnung nicht, und PAP-Strips und -Seren stehen frei im Handel. Viele Produkte werben damit, schonender zu sein.
Was die Studien zeigen
Die Arbeit, auf die sich PAP-Werbung meist beruft, ist eine Laborstudie aus dem Jahr 2021. Darin hellte ein PAP-Gel verfärbte Zähne stärker auf als ein Gel mit 6 Prozent Wasserstoffperoxid und griff den Schmelz nicht messbar an. Drei Einschränkungen gehören dazu:
- Beide Autoren arbeiten für den Hersteller des getesteten Produkts.
- Getestet wurden sechs gezogene Zähne pro Gruppe im Labor, nicht Menschen über Wochen.
- Die Autoren selbst fordern klinische Studien mit mehr Teilnehmern und längerer Nachbeobachtung.
Im Alltagstest von VKI und Stiftung Warentest (Mai 2026) setzten die meisten Produkte auf Wasserstoff- oder Carbamidperoxid. Es fanden sich aber auch zahnschonendere Mittel mit etwas weniger Bleichwirkung und Bestnote bei der Zahnverträglichkeit.
Andere Angaben auf dem Etikett
| Angabe | Was es ist |
|---|---|
| Sodium Perborate, Sodium Percarbonate | setzen Wasserstoffperoxid frei, es gilt dieselbe Grenze |
| Hydroxyapatite (auch Nano-Hydroxylapatit) | Mineral des Zahnschmelzes, soll den Schmelz glätten, bleicht nicht |
| Potassium Nitrate | gegen empfindliche Zähne, oft in Bleichprodukten beigemischt |
| Blue Covarine, CI 74160 | blaues Pigment, optischer Effekt für Stunden |
| „Peroxide free“ ohne weiteren Wirkstoff | meist nur Polier- oder Farbeffekt |
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Häufige Fragen
Ist PAP Whitening schädlich?
Bisher gibt es keine Hinweise auf ernste Schäden bei richtiger Anwendung. Die Studienlage ist aber dünn: Die bekannteste Untersuchung ist eine Laborstudie mit sechs Zähnen pro Gruppe, verfasst von Mitarbeitern eines PAP-Herstellers. Langzeitdaten aus größeren klinischen Studien fehlen.
Wie viel Wasserstoffperoxid entspricht 10 % Carbamidperoxid?
Carbamidperoxid setzt etwa ein Drittel seines Gewichts als Wasserstoffperoxid frei. 10 Prozent Carbamidperoxid entsprechen also rund 3,5 Prozent Wasserstoffperoxid, deutlich mehr als die 0,1 Prozent, die frei verkauft werden dürfen.
Warum gibt es PAP-Produkte in der Drogerie, aber kein starkes Peroxid?
Die Grenze von 0,1 Prozent in der Kosmetikverordnung gilt für Wasserstoffperoxid und Stoffe, die es freisetzen. PAP gehört nicht dazu und fällt deshalb nicht unter diese Grenze.
Quellen
- Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang III Nr. 12
- Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Zahnbleichmittel
- Pascolutti M., de Oliveira D.: A Radical-Free Approach to Teeth Whitening. Dentistry Journal 2021;9(12):148
- VKI: Mittel zur Zahnaufhellung, Presseinformation vom 12.05.2026
- Fittler M. u. a.: Rampant online marketing of teeth whitening products. Heliyon 2023;9(9):e19463
Zahnweiß ist ein unabhängiger Ratgeber zur Zahnaufhellung. Die Inhalte beruhen auf den genannten Quellen von Behörden, Verbraucherschutz und Forschung. Sie ersetzen keine Untersuchung in der Zahnarztpraxis. Stand: Oktober 2026.