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Zahnweiß › Wirkstoffe

PAP, Wasserstoffperoxid, Carbamidperoxid: Die Wirkstoffe im Vergleich

Auf jeder Packung zur Zahnaufhellung steht ein Wirkstoff. Welcher das ist, entscheidet darüber, wie stark das Produkt wirkt, wie es den Schmelz belastet und ob es in der EU überhaupt frei verkauft werden darf.

Aktualisiert im Oktober 2026 · Quellen am Seitenende

Auf einen Blick

  • Wasserstoffperoxid ist der klassische Bleichwirkstoff. Frei verkäuflich nur bis 0,1 Prozent.
  • Carbamidperoxid setzt etwa ein Drittel seiner Menge als Wasserstoffperoxid frei und unterliegt derselben Grenze.
  • PAP bleicht ohne Wasserstoffperoxid und darf deshalb frei verkauft werden.
  • Die meistzitierte PAP-Studie stammt aus dem Labor eines Herstellers. Unabhängige klinische Langzeitstudien fehlen.

Wasserstoffperoxid

Wasserstoffperoxid (auf Packungen „Hydrogen Peroxide“) dringt durch den Schmelz ins Dentin und oxidiert dort Farbstoffe. Die werden dadurch farblos, ähnlich wie beim Blondieren von Haaren. Es ist der Wirkstoff, mit dem Zahnärzte in der Praxis bleichen, und der am besten untersuchte.

Je höher die Konzentration, desto schneller wirkt es, desto häufiger werden die Zähne aber auch empfindlich. Laut VKI kann der Schmelz vorübergehend an Härte verlieren. In der EU gelten diese Grenzen:

GehaltAbgabe
bis 0,1 %frei verkäuflich
über 0,1 bis 6 %nur an Zahnärzte, erste Anwendung in der Praxis, ab 18 Jahren
über 6 %kein kosmetisches Mittel mehr, nur in der Praxis

Carbamidperoxid

Carbamidperoxid („Carbamide Peroxide“) ist eine Verbindung aus Harnstoff und Wasserstoffperoxid. Im Mund zerfällt sie langsam und gibt dabei Wasserstoffperoxid ab, etwa ein Drittel ihrer Menge. Weil es langsamer freigesetzt wird, eignet sich Carbamidperoxid für längere Tragezeiten, etwa in der Schiene beim Home-Bleaching vom Zahnarzt.

Carbamidperoxidentspricht etwa WasserstoffperoxidIn der EU
0,3 %0,1 %frei verkäuflich
10 %3,5 %nur über die Praxis
16 %5,6 %nur über die Praxis
22 % und mehrüber 7 %kein Kosmetikum mehr
Umrechnung gerundet mit dem Faktor 0,35

Vorsicht bei Online-Angeboten mit „35 % Carbamidperoxid“ oder mehr: Solche Gele sind für Privatleute in der EU nicht vorgesehen. Eine Analyse von online gekauften Gelen zeigte außerdem, dass die Angabe auf dem Etikett oft nicht stimmt. Zwei Gele mit angeblich 44 Prozent enthielten nur knapp 9 Prozent.

PAP

PAP steht für Phthalimidoperoxycapronsäure. Sie oxidiert Farbstoffe ebenfalls, setzt dabei aber kein Wasserstoffperoxid frei. Deshalb greift die 0,1-Prozent-Grenze der Kosmetikverordnung nicht, und PAP-Strips und -Seren stehen frei im Handel. Viele Produkte werben damit, schonender zu sein.

Was die Studien zeigen

Die Arbeit, auf die sich PAP-Werbung meist beruft, ist eine Laborstudie aus dem Jahr 2021. Darin hellte ein PAP-Gel verfärbte Zähne stärker auf als ein Gel mit 6 Prozent Wasserstoffperoxid und griff den Schmelz nicht messbar an. Drei Einschränkungen gehören dazu:

Im Alltagstest von VKI und Stiftung Warentest (Mai 2026) setzten die meisten Produkte auf Wasserstoff- oder Carbamidperoxid. Es fanden sich aber auch zahnschonendere Mittel mit etwas weniger Bleichwirkung und Bestnote bei der Zahnverträglichkeit.

Andere Angaben auf dem Etikett

AngabeWas es ist
Sodium Perborate, Sodium Percarbonatesetzen Wasserstoffperoxid frei, es gilt dieselbe Grenze
Hydroxyapatite (auch Nano-Hydroxylapatit)Mineral des Zahnschmelzes, soll den Schmelz glätten, bleicht nicht
Potassium Nitrategegen empfindliche Zähne, oft in Bleichprodukten beigemischt
Blue Covarine, CI 74160blaues Pigment, optischer Effekt für Stunden
„Peroxide free“ ohne weiteren Wirkstoffmeist nur Polier- oder Farbeffekt

Unsicher, was Ihr Produkt kann? Der Etikett-Check ordnet Wirkstoff und Konzentration für Sie ein.

Häufige Fragen

Ist PAP Whitening schädlich?

Bisher gibt es keine Hinweise auf ernste Schäden bei richtiger Anwendung. Die Studienlage ist aber dünn: Die bekannteste Untersuchung ist eine Laborstudie mit sechs Zähnen pro Gruppe, verfasst von Mitarbeitern eines PAP-Herstellers. Langzeitdaten aus größeren klinischen Studien fehlen.

Wie viel Wasserstoffperoxid entspricht 10 % Carbamidperoxid?

Carbamidperoxid setzt etwa ein Drittel seines Gewichts als Wasserstoffperoxid frei. 10 Prozent Carbamidperoxid entsprechen also rund 3,5 Prozent Wasserstoffperoxid, deutlich mehr als die 0,1 Prozent, die frei verkauft werden dürfen.

Warum gibt es PAP-Produkte in der Drogerie, aber kein starkes Peroxid?

Die Grenze von 0,1 Prozent in der Kosmetikverordnung gilt für Wasserstoffperoxid und Stoffe, die es freisetzen. PAP gehört nicht dazu und fällt deshalb nicht unter diese Grenze.

Quellen

  1. Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 über kosmetische Mittel, Anhang III Nr. 12
  2. Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit: Zahnbleichmittel
  3. Pascolutti M., de Oliveira D.: A Radical-Free Approach to Teeth Whitening. Dentistry Journal 2021;9(12):148
  4. VKI: Mittel zur Zahnaufhellung, Presseinformation vom 12.05.2026
  5. Fittler M. u. a.: Rampant online marketing of teeth whitening products. Heliyon 2023;9(9):e19463

Zahnweiß ist ein unabhängiger Ratgeber zur Zahnaufhellung. Die Inhalte beruhen auf den genannten Quellen von Behörden, Verbraucherschutz und Forschung. Sie ersetzen keine Untersuchung in der Zahnarztpraxis. Stand: Oktober 2026.